Außergewöhnlich und lehrreich ist die Ausstellung im Telefon- und Rundfunkmuseum in Gerolstein mit über 1.200 Exponaten aus 10 Ländern – und einzigartig auch Eigentümer und aktiver Museumsleiter Heribert Schirmer.
Zu seinem neunzigsten Geburtstag hat er Gäste Nachhause eingeladen. In fröhlicher Runde haben sich Kirchenchormitglieder zum Glückwünschen eingefunden. „Heribert ist der einzige, der bei den Gesangsproben noch keine Brille braucht“, beschreibt Musikfreund Hermann Josef Heng aus Bewingen den vitalen Jubilar. Beide verbinden auch Museums-Erlebnisse: „Weißt Du noch, wie wir vor zwanzig Jahren den schweren Fernschreiber die fuffzig Stufen zum Museum hochgeschleppt haben? Der war massiv für die Ewigkeit gebaut und wir mussten uns schwer plagen.“
Schirmers Zuhause ist wie ein Mini-Technik-Museum und zeugt von seiner Sammelleidenschaft. Manch Nostalgisches zaubert auch dem zum Gratulieren gekommenen VG-Beigeordneten Frank Kerner ein Strahlen ins Gesicht, als er die Funktion einiger Altertümchen ausprobieren darf: „Unfassbar – jeder Apparat scheint noch zu funktionieren“, staunt Kerner.
Zu jedem Telefon – die älteste Telefonklingel der Sammlung stammt aus dem Jahr 1880 – und zu jedem Rundfunkgerät gibt es eine Geschichte. Anekdoten, die nur Heribert Schirmer so spannend erzählen kann. „Jugendliche Besucher aus Handy- und Flatrate-Zeitalter geraten ungläubig ins Staunen“, freut sich Schirmer. Ein Auszug vom Gerolsteiner Telefonbuch von 1910 mit nur 50 Einträgen, Kurbel- und Wandtelefone, manuelle Vermittlung von Telefonpartnern, das Anmelden von Blitzgesprächen beim unverheirateten Fräulein vom Amt, Telegramm und Fernschreiber, das magische Auge bei Rundfunkempfänger, Schlangen vor Telefonzellen kommen ihnen weltfremd, aber spannend vor. „Dies für die Nachwelt zu erhalten ist mein Anliegen.“
Dokumentiert im Gästebuch, hat Heribert Schirmer das 1. Kapitel des Telefon- und Rundfunkmuseums gemeinsam mit dem damaligen Stadtbürgermeister Georg Linnerth Juli 2003 begonnen. Jetzt steht Schirmer in den Startlöchern bereit, ein neues Kapitel zu beginnen. Das Museum soll umziehen. Die Stadt plant unter Regie des zukünftigen Stadtoberhauptes in der Hauptstraße34 (ehemals Blumen-Schildgen) passende Räumlichkeiten anzumieten.
Seniorin Anne Claire Assion, ebenfalls aktiv im benachbarten Naturkundemuseum im ‚Alten Rathaus‘ und Heribert Schirmers Schulkollegin betrachtet den Umzug im Zwiespalt: „Zwei Herzen schlagen bei dem Gedanken in meiner Brust. Zum einen freue ich mich, dass das Telefonmuseum im neuen Standort auch für gehbeeinträchtigte Menschen erreichbar wird – aber ich habe auch Angst, dass der obere Fleckenbereich nicht mehr so belebt wird.“
Sichtbarer, heller, mit Schaufenster und als großem Vorteil barrierefrei erreichbar, werden wertvolle und ungewöhnliche Sammelstücke aus dem Lebenswerk des Neunzigjährigen in würdigem Rahmen präsentiert werden können.
Da – bis alles in neuem Glanz erstrahlt – noch eine große Portion Einsatz gefordert ist, sind Stadtratsmitglieder Jörg Socha, Benjy Thömmes und Volker Simon mit ihrem Hilfsangebot mit gutem Beispiel vorangegangen. Weitere Unterstützer – kräftige Jungs und fleißige Mädels jeden Alters – sind gesucht und herzlich willkommen ein historisches - für die Allgemeinheit wertvolles - Projekt in Angriff zu nehmen.









































