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Gerd Rieder: Urschätze aus dem Schuhkarton - gefunden im Gerolsteiner Land

Erstellt von Clara Zins-Grohé Interview mit Gerd Rieder | |   Webseite Stadt Gerolstein  Startseite gerolstein.org  Gerolstein & Stadtteile  Kernstadt  Wohnen & Leben  Ehrenamt  Ehrenfriedhof  Tourismus & Freizeit
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Nicht erst seit dem jüngsten Saurierfund in der Teufelsschlucht boomt das Interesse,  mehr über Fossilien zu erfahren. Viele Einheimische besitzen Fossilien, die sie sogar im eigenen Garten oder der eigenen Baustelle gefunden haben. Touristen schätzen auf Wanderungen oder sogar Flohmärkten entdeckte Einzelstücke als Souvenir.

Jemand, der sich besonders gut auskennt ist der Vorsitzende des Fördervereins Naturkundemuseum Gerolstein, Gerd Rieder. Er teilt seine Schätze in Ausstellungen mit der Öffentlichkeit. Wir haben nachgefragt:

Wie wurden Sie ‚steinreich‘ Herr Rieder?

Gerd Rieder: „Wie viele Gerolsteiner habe ich schon als Kind meine erste „Sammlung“ von Versteinerungen angelegt. Zufallsfunde, die man beim Spielen aufgehoben hatte, wanderten in eine Schatzkiste – einen einfachen Schuhkarton. Von meinen Schätzen wusste ich nicht viel, nur das es versteinerte Tiere und die schon sehr alt und einfach nur schön waren.

Erst viel später, Mitte der 1970er Jahre, habe ich meinen alten Schuhkarton wiederentdeckt und mich genauer mit dem beschäftigt, was darin lag. Und es wurde wieder gesammelt, präpariert und bestimmt. Inzwischen war etwas Wissenschaft dabei, und im Jahr 1987 konnten einige Gleichgesinnte und ich unsere Kostbarkeiten im neu gegründeten Naturkundemuseum im Alten Rathaus unterbringen. So können Einheimische wie Besucher erleben, welche Schätze hier vor Ort im Boden stecken.“

 

Wo haben Sie Fossilien entdeckt?

Rieder: „Fossilien kann man in unserer Gegend an vielen Stellen finden. Bauplätze bergen z.B. immer wieder Überraschungen. Das liegt daran, dass die heutigen sog. Eifler Kalkmulden besonders artenreich sind; die Korallenriffe und Lagunen des Devon-Meeres boten hier vor etwa 390 Mio. Jahren vielen Meerestieren ideale Lebensbedingungen. Gerolstein ist in Fachkreisen für seine Artenvielfalt weltbekannt.“

Was war ihre für Sie interessanteste Entdeckung? Glauben Sie, dass noch Geheimnisse im Gerolsteiner Urzeitmeer verborgen sein könnten?

Rieder: „Besonders faszinierend sind für mich die Trilobiten. Einige sind als Erstfunde im Gerolsteiner Land beschrieben worden. Das Interesse der wissenschaftlichen Fachwelt ist entsprechend groß. Und ganz klar: Jeder neue Aufschluss kann bisher unbekannte Arten zutage fördern. Wir können also gespannt sein!“

Darf man überall Fossilien suchen? Schutzzonen / Raubbau?

Rieder:  „Das Kapitel Fossiliensuche ist problematisch: nach den Raubgräbereien der 70- 80- 90-er Jahre sind die Schutzbestimmungen deutlich verschärft worden. Es gibt keine Möglichkeit der Fossilsuche an den klassischen Fundorten mehr; sie sind allesamt zu Schutzgebieten deklariert worden.“

Kann man jedes Fossil behalten?

Rieder:  „Was man direkt auf dem Boden oder in einer Baugrube findet, darf man mitnehmen, solange der Fund keinen bedeutenden wissenschaftlichen Wert hat.“

 

Der Weg vom Fundstück zur Museumsreife?

Rieder: „Vom Fundstück bis zum musealen Ausstellungsstück ist es oft ein langer Wert. Die Präparation eines einzigen Trilobiten kann viele Stunden betragen. Eine Arbeit für absolute Könner wie Museumsleiter Jens Koppka.“

 

Sie sprachen von ‚Gleichgesinnten‘ – Welcher Name fällt Ihnen spontan ein?

Rieder: „Thomas Paul, der Referent des Vortrags über die „Welt der Sonnen- und Pantoffelkorallen“, ist ein solcher Spezialist, ein begeisterter Sammler von Mineralien und Fossilien. Vor wenigen Wochen hat er einige Vitrinen des Museums mit Kostbarkeiten aus seiner Sammlung neu bestückt. Sicher werden wir auch in Zukunft von seinem großen Fachwissen und seiner umfangreichen Sammlung profitieren können. Ein Grund mehr, sich immer mal wieder im Museum umzuschauen.“

Im Privatleben fordern Hobbies oft Raum. Teilt Ihre Ehefrau Ihr Interesse?

Rieder: „Elisabeth begeistert sich für alles Schöne im Museum. Sie ist unsere Expertin für Schmetterlinge und das Binokular in der Waldabteilung.  Sie hat viele Poster zu unterschiedlichen Themen entworfen: Lebensräume von Insekten, Entwicklungszyklus von Schmetterlingen, Geschichte des Alten Rathauses u.a.“

Ihr Tipp an Interessierte?

Rieder: „Wer ein Fossil findet und wissen möchte, was er da Seltenes gefunden hat, kann es anhand der Ausstellungsstücke im Museum einordnen; gerne ist da auch Museumsleiter Jens Koppka behilflich.  Es ist schon etwas ganz Besonderes, ein Lebewesen, das vor 390 Millionen Jahren im Meer lebte, in den eigenen Händen zu halten. Manche dieser Tierarten sind komplett ausgestorben und viel älter als die Saurier des Erdmittelalters.“

 

 

 

 

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Anne-Cläre Assion mit Lars Luzerek
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Naturkundemuseum Gerolstein
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Plakat Elisabeth Rieder
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Foto NKM Thomas Paul Sonnenkorallenstock
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Korallenstock angeschliffen Thomas Paul
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Pantoffelkoralle Deckel Foto Thomas Paul
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