Am 23.11.2025 fand die Gedenkfeier zum Volkstrauertag traditionell auf dem Ehrenfriedhof in Gerolstein statt.
Stadtbürgermeisterin Steffi Lorisch begrüßte alle Anwesenden, Mitwirkenden, Gäste, Mitbürgerinnen und Mitbürger:
"Am heutigen Tag halten wir inne. Wir erinnern an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, an Menschen, deren Leben durch Hass, Ideologie und Kriegstreiberei ausgelöscht wurde. Wir gedenken der Soldaten, der Zivilbevölkerung, der Verfolgten, der Vertriebenen und all jener, die uns mahnen, Frieden niemals als selbstverständlich zu betrachten. Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch ein Tag der Verantwortung. Wir tragen die Aufgabe, aus der Vergangenheit zu lernen und uns für ein friedliches, respektvolles Zusammenleben einzusetzen – heute und für die kommenden Generationen.
Als Redner begrüße ich den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rheinland-Pfälzischen Landtag, Herrn Gordon Schnieder. Ich freue mich sehr, das Du lieber Gordon, in dieser hektischen Zeit des Wahlkampfes die zeit für uns gefunden hast.Von der SPD aus dem Landtag begrüße ich Herrn Jens Jenssen. Die Bundeswehr ist mit dem Informationstechnikbataillon 281 hier bei uns und ich freue mich Herrn Major Hohenhorst - in Vertretung für den neuen Kommandeur Herr Oberstleutnant Michael Auch - zu begrüßen."
Herrn Pfarrer Pius krämer von der kath. Kirche und Herrn Roman Hartmann von der evang. Kirche gestalteten die Feier mit - ebenso Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr und Jungfeuerwehr Gerolstein. Für die musikalische Untermalung sorgten die 'Freunde der Blasmusik' mit den Liedern: 'Näher mein Gott zu Dir',' ..Lass mich gehen..', 'Im Grabe ist Ruh', 'Ich hatte einen Kameraden' und der Nationalhymne.
Weitere Gäste waren Bürgermeister Hans Peter Böffgen, Ratsmitglieder, Vertreter des Reservistenverbandes Gerolstein e.V.,Alexander Ziel der Geschäftsführer vom Volksbund Deutsche Krriegsgräberfürsorge e.V. und Ulrich Aschemann Vorstand VDK Ortsverband Gerolstein. Auch eine Abordnung des Gedenkkreises Marcelle Dorr war gekommen. Eigens aus Frankreich angereist war die Nichte der französischen Widerstandskämpferin Marcelle Fluxa .
"Ich danke Ihnen, dass Sie heute hier sind, um gemeinsam ein Zeichen des Gedenkens und der Hoffnung zu setzen", so die Stadtbürgermeisterin.
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Begrüßungsworte und Liturgie von Pfarrer Ralf Pius Krämer und Pfarrer Roman Hartmann:
Pfarrer Roman Hartmann sprach die Eingangsworte:
"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Wer schon einmal die Antoniterkirche in Köln besucht hat, wird dort sicher auch vor dem Zweitguss des „Schwebenden Engel,“ einer Skulptur Ernst Barlachs, gestanden haben. An einer Kette befestigt, schwebt der Engel dort zwischen Himmel und Erde. Er trägt die Gesichtszüge von Käthe Kollwitz, die im ersten Weltkrieg ihren Sohn verlor. Er hat keine Flügel, ist kein alles segnender Engel. Vielmehr: Die Arme über die Brust verschränkt, der Kopf erhoben, Augen und Mund geschlossen, ist er ganz in sich versunken. Er behütet die Toten. In ihm und damit in der Wirklichkeit Gottes sind die Opfer der Kriege, die sinnlos Getöteten, ihr Leiden, ihre Schreie aufgehoben. Von diesem Engel geht eine große Stille aus. Wer einmal vor ihm gestanden hat, hat vielleicht gespürt, das ist ein besonderer Ort. Ernst Barlach hatte diesen Engel als Mahnmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges gestaltet. Der Erst Guss dieser Skulptur, die im Dom St. Marien in Güstrow hang, war als entartete Kunst auf Drängen der Nationalsozialisten 1937 eingeschmolzen worden. Der Volkstrauertag sollte nicht mehr Totengedenken, sondern Heldengedenktag sein. Dazu passte dieser Engel nicht.
Seit Anfang der 1950 er Jahre hängt der Engel wieder. Und Volkstrauertag ist wieder Totengedenken. Wir gedenken der gestorbenen, der getöteten oder ermordeten Menschen der beiden Weltkriege aus allen Nationen. Sie haben einen Namen. Ob bekannt oder unbekannt, sie alles sind nicht vergessen, bei Gott schon gar nicht. Auch dann, wenn keiner mehr lebt, der sich an sie erinnert, so bleibt es doch wahr, dass es diese Menschen einmal gegeben hat. In Gottes ewigem Gedächtnis gehen sie nicht verloren. Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn.
Wir begehen heute den Volkstrauertag in unsicheren Zeiten. Wer hätte gedacht, dass Krieg wieder auch bei uns zu einer Möglichkeit werden könnte. Umso drängender ist uns dieser Tag zugleich auch eine Mahnung zu Achtsamkeit und Besonnenheit und zu einem Miteinander auf den Weg zur Versöhnung.
Gebet:
Gott des Friedens, wir trauern um die Toten der Kriege, wir klagen dir jedes jäh beendete Leben, die unbekannten und die bekannten Toten, die nahen und die fernen.
Krieg soll nach deinem Willen nicht sein. Und doch sehen und hören wir täglich von Hass und Gewalt, Stärke siegt über das Recht. Wir erleben Unfrieden und Hass auch ganz in unserer Nähe und auch bei uns selbst. Und auch wir haben Teil daran.
Wir bitten dich: Gib uns deinen Frieden, dass er unser Denken und Tun bestimmt. Gib uns deine Hoffnung, dass wir uns mit Hass und Ungerechtigkeit abfinden. Gib uns deine Liebe, dass wir mutig anfangen im Licht deiner Güte zu leben
Ohne dich, guter Gott, können wir nichts tun. Wir warten auf dich: Erhöre uns. Amen
Pius:
Lesung: Lukas 21, 5-19
5Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: 6Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird. 7Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll? 8Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach! 9Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort. 10Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. 11Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen. 12Aber bevor das alles geschieht, wird man Hand an euch legen und euch verfolgen. Man wird euch den Synagogen und den Gefängnissen ausliefern, vor Könige und Statthalter bringen um meines Namens willen. 13Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können. 14Nehmt euch also zu Herzen, nicht schon im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen; 15denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können. 16Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten. 17Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. 18Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. 19Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen .
Predigt.
Fürbitten: (im Wechsel)
Lasst uns in Frieden den Herrn anrufen: um seinen Frieden, dass wir Frieden finden für unser Leben und Frieden schaffen unter den Menschen.
Um seine Barmherzigkeit, dass auch wir miteinander Erbarmen haben.
Um seinen Geist, dass wir den Sinn unseres Daseins entdecken und einander zu einem glücklichen Leben helfen.
Lasst uns zum Herrn rufen: Herr, erbarme dich.
Für alle, die Trauer tragen um die Opfer der Kriege,
um den Verlust der Heimat, um den Abschied von einem nahen Menschen, dass sie weiterleben können ohne Verzweiflung und ohne Resignation.
Lasst uns zum Herrn rufen: Herr, erbarme dich.
Für alle, die heute leiden müssen, die inmitten von Krieg und Bürgerkrieg leben, für die Hungrigen und die Unterdrückten, für alle, die gefoltert werden, dass ihr Elend ein Ende hat, dass sie satt werden, ungefährdet und frei.
Lasst uns zum Herrn rufen: Herr, erbarme dich.
Für uns und alle Menschen, die wir im Schatten des Todes leben und einander mit der Drohung des Todes Gewalt antun, dass wir uns auf unser Ende besinnenund unsere Zeit nicht sinnlos verbringen, dass wir endlich Heil und Erlösung finden.
Lasst uns zum Herrn rufen: Herr, erbarme dich.
Für unsere Soldatinnen und Soldaten, die ihr Leben für den Frieden auf Erden riskieren und für alle Menschen, die sich für den Schutz der Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde und den Erhalt der Freiheit einsetzen.
Lasst uns zum Herrn rufen: Herr, erbarme dich.
Nimm dich unser gnädig an, rette und erhalte uns.
Denn dir allein gebührt der Ruhm und die Ehre und die Anbetung, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen
Geist, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Vater Unser
Segen
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auch Dich und gebe Dir Frieden.
Ralf Pius Krämer:
Volkstrauertag – ein Gedenktag an die Opfer der beiden Weltkriege und der unschuldigen Menschen seither.
Es ein Tag der Mahnung mit dem Gedanken der Schreckenserfahrung der Weltkriege: „Nie-Wieder“
Dieser Gedanke trifft sich mit der Frage unserer Zeit: „Wem soll, wem kann ich trauen?“ – in einer Zeit, die zerrissen ist durch die Erfahrungen der Kriege und der Gewalt unserer Tage mit der Endzeitbotschaft des Evangeliums wie es Lukas aufgeschrieben hat (Lk 21,5-19).
Drei Worte aus dieser Botschaft können uns als Orientierungspunkte dienen:
- Lasst euch nicht in die Irre führen (Lk 21,9)
Für uns im Heute ein wichtiger Gedanke; in einer Zeit, in der um uns scheinbar alles auseinanderbricht. Die Orientierungspunkte in Gesellschaft, im Miteinander der Völker, die Halt geben können, scheinen verloren zu gehen.
Wenn jede irgendwie geäußerte Meinung als Wahrheit dargestellt wird;
wenn der Satz: „Das wird man wohl noch sagen dürfen!“ das Gespräch zerstört;
wenn die andere Meinung nicht mehr gehört wird
und eine Mauer des Schweigens aufgerichtet ist.
Woran halten wir uns in einer solchen Zeit und Situation?
Aus dem christlichen Glauben erscheint die Antwort vielleicht auf den ersten Blick unglaubwürdig: Gottes Botschaft setzt auf ein trotzdem, wenn er verspricht:
„Habt Vertrauen, keiner geht verloren! – Ich bin Da!“
Da ist ein langer Atem gefragt!
Es ist unser Glaubensbekenntnis, dass die Hoffnung auf Gott, die Grausamkeiten des Menschen und der tyrannischen Machtspiele überwinden kann.
Last euch nicht in die Irre führen – das mahnende Wort zur Achtsamkeit in unserer Zeit!
- Dann werdet ihr Zeugnis ablegen (Lk 21,13)
Wir fragen uns in einer Zeit in der anscheinend die Orientierung zwischen richtig und falsch, Gut und Böse verloren ist und wir nicht so leicht wissen, wohin orientieren wir uns?
Dann ist dieser Ort, dieser Ehrenfriedhof, ein Zeugnis der Mahnung und Erinnerung auf das hin, was nie wieder Wirklichkeit werden soll!
Wir sind zum Zeugnis gerufen – in den unterschiedlichen Diensten, Positionen und Aufgaben, zum Zeugnis für das Leben, das Lebensrecht jedes Menschen.
Es ist aus dem Glauben ein Eintreten für das Mit- und Füreinander für das Leben;
dieses Zeugnis ist gefragt – und dieser Ort bringt diese Sichtweise ins Bewusstsein.
Zeugnis geben für das Leben, die Freiheit, die Geschwisterlichkeit – das ist der Auftrag für jede und jeden von uns – an dem Platz, an dem wir stehen.
- Bleibt standhaft (Lk 21,19)
Bei allem, was um euch geschieht, bewahrt Vertrauen und Hoffnung und lasst euch nicht verunsichern.
Wissend, um die Schwierigkeit den Überblick zu behalten, gedenken wir heute all der Opfer von Krieg und Gewalt, Missbrauch und Terror zu allen Zeiten,
und hoffen, dass wir standhaft bleiben, für das Leben und für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Zeit. (Ralf Pius Krämer)
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Der Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rheinland-Pfälzischen Landtag, Gordon Schnieder begrüßte in seiner Ansprache die Anwesenden.
In den dunklen Tagen des November gedenkt die Menschheit seit altersher ihrer Toten. Diese Jahreszeit ist so recht dazu angetan, uns zur Besinnung zu rufen und Einkehr zu halten. Der Volkstrauertag - ein sogenannter stiller Gedenktag, bei dem viele Jahre der Blick vor allem zurück ging.
Zum vierten Mal in Folge begehen wir nun den Volkstrauertag – und in Europa herrscht Krieg. Krieg und Terror herrschen auch im Nahen Osten, im Sudan, sind allgegenwärtig auf der Welt. 1.500 Kilometer Luftlinie von uns entfernt sterben auch weiterhin Väter, Söhne, Brüder, Mütter, Töchter, Schwestern. Rollen Panzer. Werden Bomben geworfen, auf Menschen, Wohnhäuser, Schulen. Es geschehen grausame Kriegsverbrechen.Die schrecklichen Angriffe auf die Ukraine und die terroristischen Angriffe auf Israel und die Reaktionen darauf im Nahen Osten, die barbarischen Verbrechen im Sudan, sind Geschehnisse, die uns alle an diesem Totensonntag wohl besonders nahe gehen.
Jeden Tag erreichen uns neue Schreckensnachrichten – und fürchterliche Bilder, die manchmal kaum zu ertragen sind.
Was für ein Leid, was für ein Schmerz.Der jetzt da ist und noch Jahrzehnte spürbar sein wird.
Für uns, hier und heute, kaum mehr vorstellbar,was Menschen anderen Menschen anzutun im Stande sind.
Für uns, die wir seit 80 Jahren hier in Frieden zusammenleben dürfen.Wir erfahren in dieser Zeit, dass das ganz und gar nicht selbstverständlich ist.Die Fragilität spüren wir leider auch wieder auf unseren Straßen und Plätzen.
Ich bin erschüttert, ja, tief betroffen, dass Häuser mit Davidsternen markiert werden und Juden sich 80 Jahre nach dem Ende des größten Verbrechens der Geschichte im Land des Holocaust, im Land der Shoa, nicht mehr sicher fühlen.Dass Judenhass laut wird auf unseren Straßen.Ich bin darüber erschüttert, und es macht mir zutiefst Sorgen!
Dieser Tag heute soll uns neben dem Gedenken deshalb auch eine Mahnung sein. In diesen Zeiten mehr denn je!Die Sicherheit der Jüdinnen und Juden und vor allem auch das unauslöschliche Existenzrecht Israels sind ein unverhandelbares Prinzip.Israel ist und bleibt fest in unserer Staatsräson verankert – in Deutschland und in Rheinland-Pfalz!
Wir stehen zu unserer historischen Verantwortung und zu unserer moralischen Verpflichtung.Wir stehen fest an der Seite Israels.Und wir dürfen Judenhass nicht zulassen in unserem Land!Terror und Kriegsverbrechen dürfen niemals verherrlicht werden. Uns hier einen unsere Grundwerte der Freiheit. Der Person. Der Religion. Der Meinung.
Wir wünschen uns eine Welt, in der Kinder überall in Frieden und Sicherheit aufwachsen können. Auf dem Spielplatz statt im Schutzbunker.Dabei fühlen wir uns bei den aktuellen Kriegsgeschehen als Bürgerinnen und Bürger oft machtlos, ja hilflos.„Was können wir schon ausrichten?“
Ich sage: Es liegt in unserer Verantwortung, die richtigen Lehren zu ziehen aus der Geschichte. Gerade aus unserer deutschen Geschichte. Das Bekenntnis zu „Nie wieder ist jetzt“ darf nicht zur einfachen Phrase verkommen!Deshalb ist das Erinnern und das Mahnen am heutigen Tag so wichtig!Indem wir hier heute den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken, gemeinsam allen Opfern gedenken, setzen wir ein Zeichen:Wir haben aus der Geschichte gelernt. Wir haben die Schrecken der letzten Kriege nicht vergessen.
Wir stehen ein für die Würde des Menschen. Wir sind überzeugt, dass Krieg diese Würde immer verletzt.Wir sind überzeugt, dass jedes einzelne menschliche Leben wertvoll ist. Das ist eine zivilisatorische Errungenschaft!Jede und jeder in unserem Land muss wissen, welche schrecklichen, unfassbaren Verbrechen die Nationalsozialisten über die Juden, die Sinti und Roma, die Homosexuellen, die behinderten Menschen und viele andere gebracht haben.Und jede und jeder muss verstehen, wie gefährlich es ist, wenn wir heute wieder Hass und Hetze zulassen.
Wir alle als Gemeinschaft, aber auch jeder Einzelne ist in dieser schwierigen Zeit gefragt, in der die Gesellschaft unter großer Spannung steht. Wir müssen für unsere Werte und unseren Frieden zusammenstehen.
Zusammenstehen und eintreten gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Spaltung.
Es ist an uns, dass sich Geschichte nicht wiederholt.Geschichte ist kein Schicksal. Geschichte wird von Menschen gemacht.
Frieden fängt bei jedem Einzelnen an!Mit Zwischenmenschlichkeit, Mitgefühl und damit, die Würde seines Nächsten zu achten.
Wenn wir uns davon leiten lassen, als Politiker, als Gesellschaft und jeder Einzelne von uns, dann werden wir mit unserem Gedenken auch jenen gerecht, um die es heute geht.
All jene, die unter Unfreiheit leiden, unter Gewalt, Unterdrückung, unter Krieg und Terror. All die Opfer und die Toten. Die Soldaten und ihre Familien. Die vielen zerstörten Leben.
"Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg". Ein Zitat, dass Willy Brandt zugeschrieben wird.
Was heißt das? Wenn wir aus der Perspektive des Völkerrechts über Krieg und Frieden nachdenken, dann denken wir an einen Friedensvertrag nach einem Krieg. Es gibt eine Einigung. Die Waffen schweigen. Truppen werden zurückgezogen. Soldaten kehren nach Hause zurück. Der Krieg ist dann vorbei in den Geschichtsbüchern, in den Vertragsdokumenten.Aber er ist nicht vorbei in den Köpfen der Menschen.
Wir wissen heute, dass diese Kriegsverformungen, dass Kriegstraumata weitergegeben werden über Generationen. Wir sprechen von der Kriegskindergeneration. Von der Kriegsenkelgeneration. Vererbt wird Angst. Misstrauen.
Frieden ist also mehr als die Abwesenheit von Krieg.
Frieden heißt: Menschen haben nicht nur aufgehört, einander zu töten. Sie haben wieder angefangen, miteinander zu reden. Einander zuzuhören. Sich zu verstehen. Gemeinsam zu erinnern. Sich vielleicht sogar zu vergeben.
Dann heißt Frieden: Menschen, die gemeinsam nach vorne blicken. Menschen, die überzeugt sind, dass eine bessere, gerechtere Zukunft miteinander möglich ist.
Wenn wir eine Welt wollen, die sicherer und friedlicher, demokratischer, gerechter und freier ist:
Dann dürfen wir nicht die Augen davor verschließen, wie die Welt gegenwärtig ist.
Das sind wir den Opfern der Vergangenheit und jenen von heute schuldig.
Wir trauern heute um Menschen, denen Krieg das Leben genommen hat: um deutsche, französische, britische, amerikanische, sowjetische Soldaten, um die Soldaten aller Nationen die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Um die Menschen, die aus religiösen oder politischen Gründen verfolgt und getötet wurden. Um die Zivilisten. Um die vielen Opfer der Vertreibung nach 1945. Um ukrainische und russische Soldatinnen und Soldaten, die in diesen Monaten sterben. Um Kriegstote im Kosovo, im Irak, in Afghanistan, Libyen, Syrien. In Israel und Palästina. Im Sudan. Um alle Opfer des feigen, wie menschenverachtenden Terrorismus und um alle Menschen die mitten im Frieden ihr Leben in treuer Pflichterfüllung für die Gemeinschaft oder für andere Menschen opfern mussten.
Wir versammeln uns zum Gedenken nicht unter der Fahne einer Nation, nicht einer Religion, nicht einer Ethnie,
sondern unter der Fahne der Menschenwürde.
Verneigen wir uns in Ehrfurcht vor den Toten.


















